(Sepah e Pasdaran e Enqelab e Eslami: Armee der Wächter der Islamischen Revolution)
Politische & militärische Bedeutung
- Von Chomeini im Mai 1979 aufgestellt, um Parallelstruktur zu regulärer Armee zu schaffen;
derzeitiger Kommandant: Mohammad
Ali Jafari (war an Besetzung der US-Botschaft 1979 beteiligt)
- von Chomeini als „unpolitische", über den Fraktionen des Regimes stehende Einheit konzipiert;
spätestens seit 2005 klare Dominanz des Ahmadinejad/Chamenei-Flügels; nach Ahmadinejads
Wahlsieg 2005 erstmaliger Besuch von Pasdaran-Kommandeuren bei Ayatollah
Mesbah Yazdi, dem religiös-apokalyptischen Mentor Ahmadinejads
- wichtiger Akteur im Krieg gegen Irak 1980-88, danach vor allem mit Terror gegen Oppositionelle
im In- und
Ausland betraut; betreibt eigene Gefängnisse und eigenen Geheimdienst; spätestens ab 1990er
zuständig für das ballistische Raketenprogramm,
vermutlich zuständig für militärisches Nuklearprogramm
- Truppenstärke: ca. 125.000, organisiert in Heer, Luftwaffe und Marine; davon ca. 5000 bei
Quds-Brigaden, der Spezialeinheit für exterritoriale Operationen (bis Mitte der 1990er
zahlreiche Anschläge auf Exiliraner in Europa; direkte Kooperation mit Hisbollah
im Libanon, djihadistischen Gruppen in Bosnien, Hamas und Islamic Djihad in Palästinensergebieten;
Involvierung in Terroranschläge in Lateinamerika, z.B. Anschlag auf das
jüdische Gemeindezentrum in Buenos Aires 1994, bei dem 85 Menschen starben:
Ahmad Vahidi, damals Kommandant der Quds-Brigaden, wird von Interpol wegen dieses Anschlags
per internationalem Haftbefehl gesucht. Heute ist es im Kabinett Ahmadinejads Verteidigungsminister)
- dazu ca. 100.000 Basidji (plus nach westlichenSchätzungen ca. 1,5 Million mobilisierbare
Reservisten und Anhänger, nach Regimeangaben bis zu 12 Millionen), die mittlerweile direkt
den Befehlsstrukturen der Pasdaran zugeordnet sind und eine entscheidende Rolle bei der
Niederschlagung der Proteste nach den Präsidentschaftswahlen im Juni 2009 gespielt haben
- Im ersten Kabinett Ahmadinejad hatten 11 der 21 Minister einen Revolutionsgarden-Hintergrund.
Heute kommen 16 von 21 Ministern von den Pasdaran.
Wirtschaftliche Bedeutung
- Revolutionsgarden gelten heute als größter Unternehmer des Landes. Sie sind nur
dem Revolutionsführer Ali Chamenei Rechenschaft schuldig, wodurch sie zahlreiche Steuer-
und Zollbestimmungen umgehen können. Neben legalen Geschäften
werden sie auch des illegalen Schmuggels im großen Stil bezichtigt.
- zentrale Rolle bei Infrastruktur-Großprojekten und in Ölindustrie,
kontrollieren den Containerhafen Bandar Abbas, kontrollieren Mostazq/än-Stiftung
(geschätzter Jahresumsatz 10 Milliarden US-Dollar)
- wichtigstes im Besitz oder unter Kontrolle der Pasdaran stehendes Unternehmen:
Khatam al-Anbia („Siegel des Propheten", findet sich seit 2008 auf der EU-Sanktionsliste
zu „restriktiven Maßnahmen gegen Iran"); weitere Unternehmen
(viele davon Tochterunternehmen von Khatam al-Anbia}: Oriental OH Kish,
Ghorb Nooh, Sahel Consultant Engineering, Ghorb-e Karbala, Sepasad Engineering,
Omran Sahel, Hara Company, Gharargahe Sazandegi Ghaem, Mehr Eqtesad
- aktuell versuchen Pasdaran den Telekommunikations- und Nachrichtensektor
unter ihre Kontrolle zu bringen (Kauf von über 50 % der Telekommunikationsgesellschaft,
führende Fars News Agency-Redakteure sind ehemalige Pasdaran-Kommandanten, Ankündigung
eigener Nachrichtenagentur Atlas für 2010)
Politische Maßnahmen und Sanktionen
- Sowohl die Garden insgesamt, als auch Teilorganisationen wie die Quds-Brigaden und zahlreiche einzelne Offiziere sind Gegenstand mehrerer Sanktionsbeschlüsse des UN-Sicherheitsrates, der EU (z.B. Einreiseverbot für Mohammad Ali Jafari) und der USA. 2007 hat der US-Senat dafür gestimmt, die Revolutionsgarden als terroristische Vereinigung zu qualifizieren.
- Die Quds-Brigaden sind in den USA als „terrorist organization" eingestuft, die Garden insgesamt als „entity of proliferation concern". Das bedeutet, dass ihr Vermögen eingefroren ist. Jede Form der Unterstützung oder Belieferung der Garden oder der von ihr geführten oder kontrollierten Unternehmen und Organisationen ist verboten.
- Am 18. November 2009 hat das niederländische Parlament die Regierung in Den Haag aufgefordert, sich in der EU für die Aufnahme der Revolutionsgarden in die EU-Liste terroristischer Organisationen einzusetzen.
Ausgewählte Quellen:
Ali Alfoneh: How Intertwined are the Revolutionary Guards in Iran's Economy? In: Middle Eastern Outlook,
No. 3, 2007
Ronen Bergman: The secret war with Iran, New York 2008
Alireza Jafarzadeh: The Iran Threat President Ahmadinejad and the coming Nuclear Crisis. New York 2008
Peman Javaher-Haghighi: Iran - Mythos und Realität. Münster 2008
Mehdi Khalaji: Iran's Revolutionary Guards Corps, Inc. In: Policy Watch, #1273,2007
Emanuele Ottolenghi: Under a Mushroom Cloud. Europe, Iran and the Bomb. London 2009
Amir Taheri: The Persian Night Iran under the Khomeinist Revolution. New York/London 2009
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